Von Juli 2011 bis Dezember 2012 steht das Thema "Teilhabe junger Menschen am demokratischen Leben in Europa", kurz Jugendbeteiligung, im Mittelpunkt der jugendpolitischen Zusammenarbeit in Europa und damit auch im Mittelpunkt des aktuellen Arbeitszyklus des Strukturierten Dialogs. Dies haben die EU-Jugendminister_innen auf Vorschlag der Triopräsidentschaft bei ihrer Ratstagung am 19. Mai 2011 offiziell beschlossen.

Im Juli 2011 haben Polen, Dänemark und Zypern als neue Triopräsidentschaft das ?Zepter? in der Europäischen Union übernommen. Da Jugendbeteiligung ein breites Feld ist, hat sich jedes der drei Länder dazu entschieden, jeweils einen anderen Aspekt des Schwerpunktthemas in den Blick zu nehmen:
Zu jedem dieser drei Fokusthemen finden in den Mitgliedstaaten Beteiligungs- und Befragungsprozesse (Konsultationen) mit jungen Menschen und Jugendorganisationen im Rahmen des Strukturierten Dialogs statt. Deren Ergebnisse werden jeweils in einer EU-Jugendkonferenz zusamengefasst.
Damit unterscheidet sich der Arbeitszyklus des Strukturierten Dialogs zum Thema "Jugendbeteiligung" ein wenig von dem vorangehenden zum Thema "Jugendbeschäftigung". Bei diesem wurde das Thema in drei aufeinander aufbauenden Phasen bearbeitet und die Entschließung des EU-Jugendministerrat stand erst ganz am Ende des Prozesses.

Polen hatte sich zum Ziel gesetzt, während seiner Ratspräsidentschaft die Zusammenarbeit mit EU-Nachbarländern und -regionen zu fördern und zu festigen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den Ländern Osteuropas und der Kaukasusregion.
Die europaweite Konsultation fand im Sommer 2011 statt. Junge Menschen in allen 27 EU-Ländern waren aufgefordert, ihre Meinung, Erfahrungen und Vorschläge in den Strukturierten Dialog einzubringen. Konkret ging es um die Frage, wie der Austausch zwischen Jugendlichen aus EU-Ländern und Jugendlichen aus EU-Nachbarländern und -regionen (in Osteuropa, Südosteuropa, dem Kaukasus, dem Nahen Osten und Nordafrika) verbessert werden kann.
Mit welchem EU-Nachbarland würdet Ihr am liebsten einen Jugendaustausch durchführen? Wie kann man Jugendliche aus der EU zur Teilnahme an einem Jugendaustausch mit EU-Nachbarländern motivieren? Welches sind die Hindernisse für den Jugendaustausch mit EU-Nachbarländern? Was ist eure Meinung zum Jugendaustausch mit osteuropäischen Ländern bzw. der Kaukasusregion? - Dies waren einige der Fragen für die Konsultation in Deutschland.
Die Mehrzahl der Teilnehmenden in Deutschland findet die Kooperation mit Nachbarländern und -regionen der EU wichtig. Auf besonderes Interesse stößt der Austausch mit Ländern in Osteuropa und Nordafrika sowie Israel, der Türkei und dem Westlichen Balkan. Viele der Teilnehmenden haben bereits an einem Jugendaustausch mit einem EU-Nachbarland bzw. einer EU-Nachbarregion teilgenommen. Am häufigsten genannt wurden Osteuropa (insbesondere Russland und die Ukraine) sowie Israel und Georgien.
Recht viele waren der Meinung, dass es eigentlich keine Gründe gibt, die gegen einen Jugendaustausch mit diesen Regionen sprechen - abgesehen von akuten Gefahrensituationen. Sie sahen eher Hindernisse, die den Austausch erschweren. Unter denjenigen, die Gründe nannten, verwiesen die meisten auf die instabile politische und gesellschaftliche Lage in einigen Ländern und auf die hohen Kosten.
Auf die Frage nach den Hindernissen für den Jugendaustausch wurden vor allem Förderungs- und Finanzierungsprobleme, Bürokratie und kulturelle Hemmnisse genannt. Soll der Jugendaustausch mit EU-Nachbarländern gestärkt werden, braucht es bessere Rahmenbedingungen. Was das aus Sicht von Jugendlichen und Jugendorganisationen in Deutschland bedeutet, zeigen die vielfältigen Vorschläge zur Überwindung der Hindernisse.
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Die Konsultationsergebnisse aus Deutschland und den anderen EU-Mitgliedstaaten bilden die Grundlage für einen Dialog zwischen Jugend und Politik auf europäischer Ebene. Hierzu kamen vom 5. bis 7. September 2011 Jugendvertreter_innen und Vertreter_innen der Jugendministerien aller EU-Mitgliedsländer zu einer EU-Jugendkonferenz in Warschau zusammen.
Grundlage ihrer Arbeit waren die Ergebnisse der vorangehenden europaweiten Konsultationen, in die rund 12 000 junge Menschen direkt und indirekt einbezogen waren. Aufgabe der Teilnehmenden war es, gemeinsam die Punkte herauszufiltern, die für Jugendliche in allen europäischen Ländern wichtig sind. Dabei lag ein besonderer Fokus auf dem Jugendaustausch mit Osteuropa und der Kaukasusregion. Aus Deutschland nahmen drei Jugendvertreter_innen und vier Ministeriumsvertreter an der Konferenz teil (siehe Foto).
Das Ergebnis der EU-Jugendkonferenz sind recht umfangreiche Empfehlungen, die Themen wie die Motivation von Jugendlichen, die Anerkennung von und den Kompetenzerwerb durch internationalen Jugendaustausch, den Zugang zu Informationen, das Überwinden von Hindernissen, die Stärkung von Unterstützungsinstrumenten für den Jugendaustausch sowie dessen Bedeutung für die Beteiligung Jugendlicher am demokratischen Leben in Europa behandeln.
Schaut man sich die Empfehlungen an, gibt es noch viel zu tun: Die Vorschläge reichen von einer spannenderen Aufbereitung der Ergebnisse von Jugendaustauschen über die Einrichtung spezieller Visakategorien für Teilnehmenden an internationalen Jugendaktivitäten und einen Solidaritätsfonds, der die Teilnahme benachteiligter Jugendlicher am internationalen Jugendaustausch unterstützt, bis hin zur Beibehaltung eines unabhängigen EU-Jugendprogramms.
Deutlich wird: Soll der Jugendaustausch mit Nachbarländern und -regionen der EU gestärkt werden, braucht es größere Unterstützung für Jugendliche, Jugendorganisationen und alle weiteren Aktiven.

Die EU-Jugendminister_innen verabschiedeten bei der Ratstagung Ende November 2011 Schlussfolgerungen zur „östlichen Dimension von Jugendbeteiligung und -mobilität“. Darin enthalten sind Überlegungen und Anregungen, wie die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission die Zusammenarbeit und Mobilität von Jugendlichen, Jugendorganisationen und Fachkräften der Jugendarbeit fördern können. Der Rat beruft sich dabei auch explizit auf die ››› Empfehlungen der EU-Jugendkonferenz.
Der Rat empfiehlt den Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission unter anderem:
>>> Die Schlussfolgerungen des Rates (auf Englisch)
Aktivitäten der EU-Kommission
Die für Jugend zuständige EU-Kommissarin, Androulla Vassiliou, kündigte während der Ratstagung an, dass im bestehenden EU-Förderprogramm JUGEND IN AKTION bereits ein "Fenster für die östliche Partnerschaft" eingerichtet worden sei. Damit stehen in den nächsten zwei Jahren insgesamt 31,5 Millionen Euro an Fördermitteln für Projekte und Aktivitäten mit Ländern in Osteuropa und der Kaukasusregion zur Verfügung. Darüber plant die Europäische Kommission, den Zugang zum Europäischen Jugendportal für junge Menschen aus EU-Nachbarländern zu erleichtern.
Die Jugendminister_innen und deren Vertreter_innen nutzten darüber hinaus die Ratssitzung für eine öffentliche Debatte über das Thema "Jugend in der Welt". Die Mitgliedstaaten sollten in der Diskussion Vorschläge machen, wie der Erfahrungs- und Praxisaustausch über Jugendmobilitätsangebote mit Nicht-EU-Ländern gefördert und die Zivilgesellschaft in EU-Nachbarländern (insbesondere den Ländern Osteuropas und der Kaukasusregion) gestärkt werden könnte.
Die rund eineinhalbstündige Debatte wurde aufgezeichnet. Das Video ist auf der >>> Website des Rats der Europäischen Union zu finden. (Eine deutsche Übersetzung ist vorhanden.)
In Deutschland haben sich die Mitglieder der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie und JUGEND für Europa - Deutsche Agentur für das EU-Programm JUGEND IN AKTION mit den Ergebnissen der Konsultation auseinandergesetzt und zu ausgewählten Punkten und Forderungen ein Feedback formuliert.
››› Das Antwortschreiben der Bund-Länder-Arbeitsgruppe
››› Das Antwortschreiben von JUGEND für Europa

Unter der dänischen EU-Ratspäsidentschaft im ersten Halbjahr 2012 ging es um die Frage, wie die Kreativität, die Innovationsfähigkeit und die Talente junger Menschen gefördert werden können, mit dem Ziel ihre Beteiligung an der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt zu verbessern. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Förderung der Jugendbeteiligung an Wahlen.
Die europaweite Konsultation fand von November 2011 bis Januar 2012 statt. Die Nationale Arbeitsgruppe in Deutschland hatte sich dazu entschieden, sich dabei auf die Fragen zur Jugendbeteiligung an Wahlen zu beschränken. Erstmals waren die Teilnehmenden eingeladen, sich nicht nur mit Beiträgen zu beteiligen, sondern diese in einer 2. Phase auch zu bewerten. Auf der Grundlage ihrer Bewertungen erstellt die Koordinierungsstelle für den Strukturierten Dialog abschließend die Zusammenfassung.
Mehr Klarheit, Transparenz und Offenheit von Politiker_innen und Parteien würden nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden mehr junge Menschen dazu motivieren, sich an Wahlen zu beteiligen. Politiker_innen und Parteien müssten junge Menschen ernster nehmen, indem sie zum Beispiel Forderungen von Kindern und Jugendlichen in ihre Wahlprogramme aufnähmen. Wichtig sei auch, dass Jugendliche im Vorfeld von Wahlen besser informiert würden – und zwar mit speziell auf sie zugeschnittene Informationsmaterialien und -veranstaltungen.
„Das Wahlalter zu senken, ohne politische Bildungsaspekte parallel zu verbessern, ist Quatsch.“ Eine Senkung des Wahlalters ohne gleichzeitig Rahmenbedingungen wie Vorbereitungs- und Informationsangebote anzupassen, wird nicht als Lösung für eine höhere Wahlbeteiligung junger Menschen gesehen. Unter den Konsultationsteilnehmenden gab es keine eindeutige Meinung dazu, ab welchem Alter junge Menschen an Wahlen teilnehmen dürfen sollten.
Am besten könnte eine breitere Debatte über die Senkung des Wahlalters angestoßen werden, wenn Jugendliche selbst auf die Verantwortlichen zugehen und ihre Forderungen einbringen. Dabei sollte auch auf bereits vorhandene Rechtsgrundlagen hingewiesen werden, die noch nicht konsequent umgesetzt würden.
Um mehr Jugendliche in gesellschaftliche Entscheidungen einzubeziehen, müssten Politiker_innen und andere politisch Verantwortliche nach Ansicht der Konsultationsteilnehmenden ihr Auftreten gegenüber Jugendlichen ändern. Darüber hinaus bräuchte es eine bessere politische Bildung sowie mehr Beteiligungsangebote, damit Kinder und Jugendliche überhaupt ein Interesse für Politik und Mitbestimmung entwickelten.
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››› Die Ergebnisse der Online-Abstimmung
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Am 21. März 2012 endete die EU-Jugendkonferenz im dänischen Sorø mit der Verabschiedung von 14 Empfehlungen. Zuvor hatten Jugend- und Ministeriumsvertreter_innen aus allen EU-Ländern drei Tage lang intensiv darüber diskutiert, wie die Jugendbeteiligung bei Wahlen gestärkt werden könnte und ein EU-Jugendförderprogramm nach 2014 aussehen sollte.
Grundlage für die Diskussionen in sieben Workshops bildeten Konsultationen mit Jugendlichen und Jugendorganisationen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten.
Unter anderem fordern die Teilnehmenden der EU-Jugendkonferenz die Mitgliedstaaten auf, Debatten über die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre zu initiieren, Wahlverfahren zu vereinfachen und Wahllokale an Orten einzurichten, an denen sich junge Menschen aufhalten. Des Weiteren empfehlen sie, politische Bildung verpflichtend zu machen und die Einrichtung lokaler Jugendeinrichtungen zu fördern, in denen junge Menschen sich treffen können, um eigene Projekte zu entwickeln und umzusetzen.
Die engere Einbeziehung von Jugendorganisationen und jungen Menschen in Entscheidungen zu jugendrelevanten Fragen ist eine weitere zentrale Forderung der EU-Jugendkonferenz. Die Mitgliedstaaten werden aufgerufen, Jugendverbände zu unterstützen, deren Arbeit im Bereich der non-formalen Bildung besser anzuerkennen und strategische Partnerschaften mit ihnen einzugehen.
Ein wichtiges Thema der EU-Jugendkonferenz war darüber hinaus das EU-Förderprogramm für den Jugendbereich ab 2014. Die Teilnehmenden fordern ein unabhängiges Programm mit eigenem Budget, das die Teilhabe junger Menschen in alle gesellschaftlichen Bereichen fördert und Möglichkeiten für die persönliche und soziale Entwicklung durch außerschulisches und informelles Lernen, freiwilliges Engagement, aktive Bürgerschaft, interkulturelle Zusammenarbeit und Jugendarbeit bietet.
Ergänzend zu den schriftlichen Empfehlungen haben die Teilnehmenden in allen Workshops Videoclips erstellt, um ihre Forderungen zu verdeutlichten. Die Clips (auf Englisch) findet Ihr auf dem ››› Europäischen Jugendportal.

Die dänische EU-Ratspräsidentschaft hat das Thema „Jugendbeteiligung und Kreativität & Innovation“ in den Fokus ihrer Arbeit gestellt. Es kann also nicht überraschen, dass die EU-Jugendminister_innen im Rahmen der Ratstagung am 10. und 11. Mai 2012 Schlussfolgerungen zur Förderung des kreativen und innovativen Potenzials junger Menschen verabschiedeten. In die Schlussfolgerungen flossen dabei auch Empfehlungen der letzten EU-Jugendkonferenz ein – zum Teil wortwörtlich.
Was der Rat anregt
Der EU-Jugendministerrat stellt heraus, dass das kreative, innovative und unternehmerische Potenzial ein wichtiges Werkzeug für ihre aktive Partizipation in der Gesellschaft und am Arbeitsmarkt ist und deshalb gefördert werden sollte. Das non-formale und informelle Lernen sowie die Jugendarbeit und das Engagement in Jugendorganisationen werden als wichtige Wege zum Erwerb entsprechender Fähigkeiten und Kompetenzen gesehen.
Unter anderem lädt der Rat die Mitgliedstaaten dazu ein,
Die ersten drei Punkte finden sich auch in den >>> Gemeinsamen Empfehlungen der EU-Jugendkonferenz von Sorø wieder. Dies gilt auch für die Anregung zur Prüfung, inwieweit Forschungsvorhaben zur Nutzung von Medien in Bezug auf demokratische Teilhabe auf nationaler und europäischer Ebene initiiert werden können, um eine verstärkte demokratische Teilhabe mit passgenauer, jugendfreundlicher und transparenter Kommunikation zu unterstützen.
Das Thema "Jugendbeteiligung an Wahlen"
Äußerungen zum Thema "Jugendbeteiligung an Wahlen", das auf der EU-Jugendkonferenz und bei der Konsultation in Deutschland eine wichtige Rolle spielte, sucht man in den Schlussfolgerungen des Rates leider vergeblich. Der Grund ist wohl, dass die Punkte nicht so richtig zum Fokusthema der dänischen EU-Ratspräsidentschaft, das "Jugendbeteiligung und Kreativität & Innovation" lautet, passten.
Damit stellt sich die Frage, weshalb dazu überhaupt ein Konsultationsprozess angeregt wurde. Die Nationale Arbeitsgruppe zum Strukturierten Dialog in Deutschland hat beim Europäischen Lenkungsausschuss bereits eine bessere Abstimmung des Schwerpunktthemas mit den Fokusthemen der Ratspräsidentschaften und den Fragestellungen für die Konsultationen eingefordert.
Wir hoffen, dass die Empfehlungen zur Jugendbeteiligung an Wahlen nicht auf Nimmerwiedersehen in einer Schublade verschwinden, sondern in entsprechende Diskussionen auf europäischer Ebene einfließen. Immerhin hat die dänische Ratspräsidentschaft angekündigt, einen Bericht über ihre Follow-up-Maßnahmen zu erstellen, so dass wir dazu hoffentlich bald mehr wissen werden.
In Deutschland haben sich die Mitglieder der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie während ihrer Sitzung im September 2012 mit den Ergebnissen der deutschen Konsultation befasst und zu ausgewählten Punkten ein Antwortschreiben formuliert.
››› Das Antwortschreiben der Bund-Länder-Arbeitsgruppe

Während der zyprischen EU-Ratspräsidentschaft im 2. Halbjahr 2012 steht die Teilhabe aller jungen Menschen im Mittelpunkt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Beteiligung junger Menschen mit Migrationshintergrund.
Was erschwert es jungen Menschen mit Migrationshintergrund, politisch und gesellschaftlich mitzumischen? Und wie können diese Hindernisse überwunden werden? Um diese beiden zentralen Fragen drehte sich die EU-weite Konsultation im Rahmen des Strukturierten Dialogs zum Thema "Jugendbeteiligung". Im Frühjahr und Sommer 2012 waren Jugendliche und Jugendorganisationen in ganz Europa aufgerufen, ihre Meinungen, Vorschläge und Positionen zu diesem Thema in den Dialog einzubringen.
Neben schwierigeren Startbedingungen sehen die Konsultationsteilnehmenden eine fehlende Wahrnehmung und Anerkennung in Politik und Gesellschaft, Ausgrenzung und Diskriminierung sowie Benachteiligungen im Bildungssystem als wichtige Gründe dafür, dass es junge Menschen mit Migrationshintergrund schwerer haben als andere, sich gesellschaftlich und politisch einzubringen.
Diese Hindernisse können nach Meinung der Konsultationsteilnehmenden überwunden werden, indem die aktive Mitgliedschaft junger Menschen mit Migrationshintergrund in Vereinen und Verbänden zur Normalität wird und Projekte und Organisationen junger Menschen mit Migrationshintergrund finanziell gefördert werden. Des Weiteren braucht es ein offenes Ohr auf Seiten von Politik und Gesellschaft für die Belange junger Menschen mit Migrationshintergrund und ein klares Bekenntnis zu den Rechten eingewanderter Menschen. Darüber hinaus sollte Integration zu einer Querschnittsaufgabe für alle Bereiche werden. Weitere Vorschläge sind die rechtliche Gleichstellung junger Menschen mit Migrationshintergrund und die Verbesserung ihrer Lernbedingungen.
Als wichtige Voraussetzungen für ein gutes Miteinander aller jungen Menschen nennen die Konsultationsteilnehmenden unter anderem gute Sprachkenntnisse, gesellschaftliche Durchmischung und dass alle in ihren jeweiligen Potenzialen und Fähigkeiten anerkannt und wertgeschätzt werden. Darüber hinaus schlagen sie vor, kulturübergreifende Feste und Projekte sowie nachhaltige Projekte zu unterstützen und die Gleichbehandlung aller Religionen anzustreben.
Und wie können sich speziell Jugendverbände für die Beteiligung junger Menschen mit Migrationshintergrund einsetzen? Die Konsultationsteilnehmenden sehen drei zentrale Punkte: Jugendverbände sollten sich aktiv für junge Menschen mit Migrationshintergrund öffnen, Begegnungen zwischen jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterstützen und den Auf- und Ausbau von Migrant_innenjugendselbstorganisationen fördern.
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Zwei Tage lang diskutierten Jugend- und Ministeriumsvertreter_innen aus allen 27 EU-Mitgliedsländern auf der EU-Jugendkonferenz im zyprischen Nikosia über das Thema „Jugendbeteiligung und soziale Inklusion“. Dabei ging es insbesondere um junge Menschen mit Migrationshintergrund. Das Ergebnis sind 14 Empfehlungen.
Grundlage für die Diskussionen in sieben Workshops bildeten die Konsultationen mit Jugendlichen und Jugendorganisationen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Darüber hinaus beteiligten sich internationale Jugendorganisationen mit Beiträgen.
In ihren Empfehlungen fordern die Teilnehmenden der EU-Jugendkonferenz die Mitgliedstaaten und die EU-Kommission unter anderem auf, Jugendinfo- und Beratungsdienste weiterzuentwickeln, das interkulturelle Lernen in den Lehrplänen zu verankern, einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsdiensten für alle Menschen sicherzustellen sowie das aktive und passive Wahlrecht auf dauerhaft in der EU lebende Ausländer_innen auszuweiten. Zudem werden die Mitgliedstaaten und die Kommission aufgefordert, politische Maßnahmen und Programmen, die sich an junge Menschen mit Migrationshintergrund richten, stärker an deren Bedürfnissen zu orientieren.
Die Teilnehmenden sprechen darüber hinaus Jugendorganisationen eine wichtige Rolle zu, wenn es um die soziale Inklusion junger Menschen geht. Sie fordern deshalb eine ausreichende, langfristige Förderung von Jugendverbänden und eine Mikroförderung für Jugendinitiativen sowie eine bessere Anerkennung des nicht-formalen Lernens.
››› Die Empfehlungen der EU-Jugendkonferenz (auf Deutsch)
››› Glossar zur deutschen Version
››› Die Empfehlungen der EU-Jugendkonferenz (auf Englisch)
Über die EU-Jugendkonferenz in Nikosia und die Ergebnisse der sieben Workshops wurde ein rund 12-minütiger Videoclip produziert (auf Englisch). ››› Zum Clip
Es liegen noch keine Reaktionen vor. Als nächstes wird sich der EU-Jugendministerrat Ende November mit den Empfehlungen der EU-Jugendkonferenz befassen.
Darüber hinaus sollen die Ergebnisse von der EU-Kommission und den Verantwortlichen in allen EU-Mitgliedsländern genutzt werden, um konkrete Verbesserungen für die Beteiligung junger Menschen mit Migrationshintergrund zu entwickeln. In Deutschland werden sich u.a. die Mitglieder der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie mit den Ergebnissen beschäftigen und den Teilnehmenden dazu ein Feedback geben.