Schaut man sich um, wie der Austausch mit politischen Entscheidungsträgern/-innen üblicherweise gestaltet ist, so fällt auf, dass meistens auf zwei Methoden zurückgegriffen wird: den Kurzvortrag, dem eine Frage-Antwort-Runde folgt, und die klassische Podiumsdiskussion. Beide Methoden haben sicherlich ihr Gutes, doch sie bieten nicht wirklich viel Raum für Interaktion: Letztlich kann immer nur eine Person sprechen, während der Rest zuhört. Das kann für die Zuhörerinnen und Zuhörer schnell uninteressant werden.
Hier findet ihr eine stetig wachsende Auswahl an Methoden, mit deren Hilfe man den Dialog zwischen Jugendlichen und politischen Entscheidungsträgern/-innen kreativ und für die Teilnehmenden möglichst spannend gestalten kann.
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Herausfinden und Diskussion der für die Teilnehmenden wichtigsten Inhalte eines Themas.
Ziel
Die Dialogpartner/-innen erarbeiten einen Konsens/Kompromiss über die wichtigsten Themeninhalte, die sie gemeinsam diskutieren wollen.
Gruppengröße
Gruppen ab zehn Personen
Zeitbedarf
Ca. 3 - 4 Stunden
Materialien
Ablauf
Alle Teilnehmenden schreiben zunächst drei der für sie wichtigsten Aspekte des Themas auf je eine Karteikarte. Die Moderation sammelt die Inhalte auf einer Pinnwand und fasst gleichartige Inhalte unter einem Oberbegriff zusammen. Noch sind sie alle »in einem Boot«. Doch das Boot kriegt ein "Leck" und nicht alle Themeninhalte können mit ans rettende Ufer genommen werden. Welcher Inhalt muss also über Bord geworfen werden?
In Kleingruppen bestimmen die Teilnehmenden die fünf für sie wichtigsten Themeninhalte und bringen sie in eine Rangfolge. Anschließend kommen je zwei Kleingruppen zusammen und einigen sich wieder auf fünf Themeninhalte, dann drei Kleingruppen usw.
Ziel ist es, dass sich am Ende nur noch zwei Gruppen gegenüberstehen und die Gesamtgruppe aus zehn Themeninhalten die fünf auswählt, an denen sie weiter arbeiten möchte. Um den Prozess zu visualisieren, kann die Moderation die Diskussionsergebnisse nach jeder Runde anpinnen.
Hinweis: Die politischen Entscheidungsträger/-innen können in den Diskussionsprozess zu einem beliebigen Stadium der Diskussion einsteigen, also z.B. erst zur Großgruppendiskussion dazukommen oder aber bereits in den Kleingruppen aktiv sein.

Jugendliche und politische Entscheidungsträger/-innen kommen in lockerer Atmosphäre, nämlich beim Kochen, ins Gespräch.
Ziel
Im eigenen Umfeld und in lockerer Atmosphäre lernen Jugendliche die politischen Entscheidungsträger/-innen kennen und reden mit ihnen über ausgewählte Themen.
Gruppengröße
Je nachdem wie viele Kochstellen vorhanden sind, ca. 5 Jugendliche pro Kochgruppe.
Zeitbedarf
Ca. 2 - 3 Stunden
Materialien
Ablauf
Eine gute inhaltliche Vorbereitung soll sicherstellen, dass die Jugendlichen sich des Themas bewusst sind und ihre Fragen an die Entscheidungsträger/-innen bereits formuliert haben, so dass während der Kochaktion ein lebendiges Gespräch entstehen kann.
Gekocht wird am besten ein einfaches Gericht, mit bereits im Voraus besorgten Zutaten, so dass die Diskussion im Vordergrund stehen kann.

Vereinbarungen zwischen den Jugendlichen und den politischen Entscheidungsträgern/-innen werden in einem Vertrag festgehalten. Die Unterzeichnung des Vertrags wird feierlich inszeniert.
Ziel
Ziel ist es, mehr Verbindlichkeit in den Absprachen und Vereinbarungen zwischen Jugendlichen und politischen Entscheidungsträgern/-innen zu erreichen.
Gruppengröße
offen
Zeitbedarf
Mehrere Tage für die Vorbereitung und die Entwicklung der Forderungen, 1 - 2 Stunden für die Vertragsunterzeichnung.
Materialien
Ablauf
Voraussetzung ist, dass allen Beteiligten die Themeninhalte bereits bekannt sind. Die Jugendlichen bereiten sich auf das Thema vor und entwickeln konkrete Wünsche und Forderungen an die politischen Entscheidungsträger/-innen. Die politischen Entscheidungsträger/-innen bieten ihre Kompetenzen und Entscheidungsbefugnisse zur Umsetzung der Wünsche und Forderungen an und fordern ihrerseits von den Jugendlichen einen Beitrag zur Vereinbarung. Alternativ können auch die Jugendlichen überlegen, was sie von sich aus tun könnten, um die Realisierung und Einhaltung der Forderungen zu unterstützen.
Ein schriftlicher Vertrag mit diesen Forderungen und Gegenleistungen wird aufgesetzt und von beiden Seiten in einem netten Rahmen unterzeichnet. Der Kreativität sind dabei kaum Grenzen gesetzt.
Hinweis: Die Methode kann genutzt werden, um im Rahmen eines Dialogprozesses Vereinbarungen über das weitere Verfahren festzuhalten.

Improvisationstheater, bei dem die fiktive Familie Müller am Frühstückstisch diskutiert.
Ziel
Durch das Theaterstück ergibt sich die Chance, politische Entscheidungsträger und -träinnen direkt und auf ungewöhnliche Weise mit den Themeninhalten zu konfrontieren, die für Jugendliche wichtig sind.
Sie haben die Aufgabe, ihren "Kindern" ihre Meinung zu oder ihre Vorgehensweise bei dem Thema durch gute Begründungen zu verdeutlichen oder andere, bessere Vorschläge zum Umgang mit diesen Themen zu machen.
Gruppengröße
Für größere Gruppen geeignet.
Zeitbedarf
2 - 3 Stunden für die Vorbereitung, ca. 1 Stunde für die Aufführung.
Materialien
Ablauf

Variante einer Podiumsdiskussion, bei der alle Zuhörer/-innen die Möglichkeit haben, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen.
Ziel
Durch Offenheit und Freilassen eines Stuhles der Diskussionsrunde können alle Beteiligten eingebunden werden.
Gruppengröße
Gruppen ab 15 Personen
Zeitbedarf
Ca. 1 – 2 Stunden
Materialien
Stühle für alle Teilnehmenden, ca. sechs davon werden in einem Kreis in die Mitte des Raumes gestellt, die anderen Stühle kreisförmig drum herum angeordnet.
Ablauf
Zu Beginn diskutiert eine kleine Gruppe von Teilnehmenden im „Goldfisch-Glas“ (Innenkreis) mit den politischen Entscheidungsträgern/-innen. Ein Stuhl im Innenkreis ist frei. Die übrigen Teilnehmenden verfolgen die Diskussion im Außenkreis.
Das Besondere: Im Innenkreis ist immer ein Stuhl frei, so dass alle Teilnehmenden aus dem Außenkreis jederzeit in den Innenkreis wechseln können und somit zur Diskussion beitragen. Das heißt, sobald jemand in den Innenkreis wechselt, muss ein anderer Stuhl frei gemacht werden.
Empfehlenswert ist es, die Fishbowl-Diskussion mit einer Moderation durchzuführen. Die Moderation kann sowohl ständig im Innenkreis sitzen, als auch die Diskussion von „Außen“ begleiten. Dies hat den Vorteil, dass sie das Publikum direkter mit einbeziehen kann, wenn es nötig ist.
Regeln für die Fishbowl-Diskussion

Gemeinsames und geheimes Geschichtenschreiben
Ziel
Spielerisch-kreatives Heranführen an das Thema und Zusammenführen der Gruppe.
Gruppengröße
Gruppen ab acht Personen
Zeitbedarf
Ca. 45 - 60 Minuten
Materialien
Ablauf
Die Gruppe sitzt im Kreis, jede/-r Teilnehmende erhält ein Blatt und einen Stift. Jede/-r Teilnehmende wählt nun ein Genre (z.B. Krimi, Schnulze, Komödie, Science Fiction, Fantasy) und ein Thema für ihre bzw. seine Geschichte aus und schreibt beides auf den unteren Rand des Zettels. Das ausgewählte Thema für den Strukturierten Dialogs soll dabei in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen (z.B. Science Fiction über die Arbeitswelt im Jahr 2300, eine Komödie über die Ausbildungsplatzsuche).
Nun schreiben die Teilnehmenden die ersten zwei Zeilen ihrer Geschichte auf, wobei nach der ersten Zeile ein kleiner Absatz gemacht wird. Die erste Zeile wird nach hinten weggeklappt, so dass sie nicht mehr sichtbar ist. Anschließend geben alle ihr Blatt nach rechts weiter. Nun liest der/die nächste Teilnehmende die sichtbare Zeile (und sieht unten auf dem Blatt, um was für eine Geschichte es sich handelt) und schreibt eine weitere Zeile. Er/sie klappt die obere Zeile (des/der Vorgängers/-in) nach hinten und reicht die Geschichte weiter usw.
Am Ende werden alle Blätter ganz aufgefaltet und die entstandenen Geschichten vorgelesen. Dabei werden die unterschiedlichen Dimensionen sowie die verschiedenen Assoziationen zu dem Thema deutlich.

Durch eine Foto- oder Videoaktion setzen sich die Jugendlichen mit unterschiedlichen Orten/Blickwinkeln zu einem ausgewählten Thema auseinander und präsentieren diese der Öffentlichkeit und politischen Entscheidungsträgern/-innen.
Ziel
Kreative Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem Thema. Durch die entstandenen Fotos/Videos kommen sie ins Gespräch mit den Entscheidungsträgern und -trägerinnen und können so eigene Interessen und Ideen sichtbar machen.
Gruppengröße
Größere Gruppe von Jugendlichen, auch in Form einer Wettbewerbsausschreibung möglich.
Zeitbedarf
Mehrere Tage für die Vorbereitung, ca. 2 – 3 Stunden für die Präsentationen
Materialien
Ablauf
Die Jugendlichen bereiten sich zunächst inhaltlich auf das Thema vor und überlegen sich dann mögliche Motive, Orte etc. für ihre Aufnahmen. Hinter den Bildern soll eine konkrete Aussage, eine Meinung zum Thema stehen. Die Präsentation sollte die politischen Entscheidungsträger/-innen, mit denen die Jugendlichen anhand ihrer Bilder ins Gespräch kommen möchten, und ggf. die Öffentlichkeit miteinbeziehen. Insgesamt soll eine interaktive Diskussionsrunde entstehen.
Tipp: Sehr anschaulich bei Bildern ist auch immer eine Vorher- und Nachher-Variante. Dazu kann man ein Bild so bearbeiten, dass es zeigt, wie z.B. ein bestimmter Ort jetzt aussieht und künftig aussehen könnte.

Diskussion in ungewöhnlichem Setting
Ziel
Intensive Auseinandersetzung mit einem Thema in einem ungewöhnlichen Rahmen, der den Alltag aufbrechen und Entscheidungsträgern/-innen und Jugendlichen ein gleichermaßen "fremdes Parkett" bieten soll, auf dem in Augenhöhe diskutiert werden kann.
Gruppengröße
Für größere Gruppen geeignet.
Zeitbedarf
Mehrere Tage für die Vorbereitung, ca. 2 – 3 Stunden für die Diskussion
Materialien
Ablauf
Das Setting wird von den Jugendlichen organisiert und aufgebaut. Die Entscheidungsträger/-innen werden als Experten/-innen zum eigentlichen Event eingeladen. Mit ihnen diskutieren ausgewählte Jugendliche, die sich in das Thema ebenfalls gut eingearbeitet haben. Beide begegnen sich je nach Setting unterschiedlich, zum Beispiel in einem Boxring zum Schlagabtausch der Meinungen.
Möglichst viel Publikum ist eingeladen, dass die Diskussion mitverfolgt und mit dem Aufzeigen von grünen oder roten Karten, Zustimmung oder Ablehnung signalisiert. Die Moderation der Veranstaltung umrahmt die Diskussion und sorgt dafür, dass die Meinungen aus dem Publikum in die Diskussion mit einfließen.

Wie das kleine Gesellschaftsspiel, nur in groß... Erklärung eines Wortes ohne andere, vorgegebene Wörter benutzen zu dürfen. Dabei kann es sich um Begriffe zum ausgewählten Thema oder um Begriffe aus der Lebenswelt der Beteiligten handeln.
Ziel
Spielerischer Abbau der Hemmschwelle zwischen den Dialogpartnern/-innen.
Gruppengröße
Gruppen ab zehn Personen
Zeitbedarf
Ca. 30 bis 45 Minuten
Materialien
Ablauf
Die Moderation (oder eine Kleingruppe) bereitet im Vorfeld 20 bis 30 Begriffe vor, die erklärt werden sollen. Dabei kann es sich um Begriffe zum ausgewählten Thema oder um Begriffe aus der Lebenswelt der beteiligten Jugendlichen und politischen Entscheidungsträger/-innen handeln. Jeder Begriff wird zusammen mit drei oder vier Wörtern, die nicht gesagt werden dürfen, auf einen Zettel geschrieben.
Die Gruppe wird in zwei Mannschaften geteilt. Dabei sollte in jeder Gruppe mindestens ein/-e Entscheidungsträger/-in sein.
Der/die erste Spieler/-in der Gruppe A hat nun 30 Sekunden lang Zeit, ihrer bzw. seiner Mannschaft Begriffe zu erklären, die auf den Zetteln stehen – ohne die „Tabu-Wörter“ zu benutzen. Die andere Mannschaft kontrolliert die Zeit und klingelt mit der Glocke, wenn ein verbotenes Wort genutzt wurde.
Die Gruppe, die am Ende die meisten Begriffe erraten hat, hat gewonnen.

Während eines World Cafés führen Menschen in kleinen Gruppen Gespräche miteinander an kleinen Tischen sitzend in einer zwanglosen, vertrauensvollen Atmosphäre, die an ein Kaffeehaus erinnert.
Ziel
In einer entspannten Umgebung kommen die Teilnehmenden locker ins Gespräch.
Gruppengröße
Für größere Gruppen ab ca. 30 Personen geeignet.
Zeitbedarf
Ca. 2 Stunden
Materialien
Ablauf
Am Anfang finden sich alle Teilnehmenden zusammen und die Moderation erklärt die World Café-Methode. An jedem Tisch wird ein spezifisches Thema oder ein Aspekt eines Themas diskutiert. Die Themen sind in der Regel als Frage oder als provokante Aussage formuliert.
Alle Teilnehmenden suchen sich einen Tisch aus und die Diskussion beginnt. Wichtige Argumente und Erkenntnisse aus der Diskussion schreiben die Teilnehmenden auf die Tischdecken. Nach einer festlegten Frist (z.B. 30 Minuten) gibt die Moderation das Signal zum Wechsel und das Stühle rücken beginnt.
Alle Teilnehmenden suchen sich einen neuen Tisch bis auf eine/-n Gastgeber/-in pro Tisch. Diese Person ist dafür zuständig, die Ergebnisse der letzten Kleingruppendiskussion an die neuen Leute weiterzugeben. Auf diese Weise kommt es zu einem intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausch, aus dem sich ein immer dichteres Netz aus Ideen und Erkenntnissen entspinnt.
Die besondere Struktur eines World Cafés fördert das aufmerksame Zuhören und eröffnet neue Perspektiven. Dabei entsteht Respekt für die Sichtweisen anderer und es eröffnen sich innovative Handlungsmöglichkeiten. Am Ende der Dialogphase kommen alle Teilnehmenden wieder zusammen und die Ergebnisse werden präsentiert.
Ausführlichere Hinweise zur Gestaltung eines World Cafés gibt es hier.